ABA / AVT

Applied Behavior Analysis = Angewandte Verhaltens-Therapie / Autismusspezifische Verhaltenstherapie

Seit etwa zehn Jahren wird in der Therapie von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) auch in Deutschland immer wieder von ABA gesprochen, was für Applied Behavior Analysis (Angewandte Verhaltensanalyse) steht. Oft bleibt hierbei unklar, was hinter diesem Begriff steht, welche Methoden darunter zusammengefasst sind und ob und inwiefern sich ABA von verhaltenstherapeutischen Ansätzen (VT) unterscheidet.

Im Folgenden geben wir einen Überblich über einige zugrunde liegenfde ABA/VT-Theorien und -Methoden. Dabei wird der deutsche Begriff Autismusspezifische Verhaltenstherapie (AVT) eingeführt, der therapeutische - im Vergleich zu den analytischen Aspekten der ABA - betont. Hiermit wird an die langjährige Traditoon verhaltenstherapeutischer Interventionen in Deutschland angeknüpft. Daneben soll mit diesem Begroff die verbreitete und missverständliche Reduktion von ABA auf das intensive Frühförderprogramm von Lovaas verhindert werden. Auch wenn die Begriffe ABA und AVT oft parallel gebraucht werden, ist Autismusspezifische Verhaltenstherapie im allgemeinen komplexer als ABA, da hier in stärkerem Ma0e kognitive, emotionale, kommunikative und entiwicklungspsychologische Faktoren berücksichtigt werden.

In dem Begriff ABA/VT sind u. a. die folgenden wesentlichen Merkmale verankert:

  • Therapie sollte angewandt ("applied") sein, wobei Therapeuten sich um funktionale und  sozial bedeutsame Therapieziele bemühen sollten, die das Leben von Menschen positiv beeinflussen. Bei Individuen mit ASS kann dies u. a. die Verbesserung von verbaler oder nichtverbaler Kommunikation sein oder auch abzielen auf Sozialverhalten, schulische oder berufliche Fähihkeiten, Selbstversorgung oder Freizeitverhalten.
  • Verhaltensänderungen sollten generalisieren, so dass de3r Betreffende das Zielferhaöten nicht nur bei einem bestimmten Therapeuten in der Therapiesituation mit bestimmtem Material zeigt, sondern dass eine Generalisation über Settings, Materialien und Interaktionspartner deutlich wird. Verhaltensweisen sollten dabei angestrebt werden, die möglichst weitreichende und langfristige positive Konsequenzen mit sich bringen.
  • Der Therapieansatz ist ein sehr optimistischer, da man davon ausgeht, dass durch Umgebungsveränderung entscheidende Verhaltensänderungen verursacht werden können. Zu dieser positiven Haltung tragen auch die begleitenden Verlaufsmessungen bei, bei denen selbst kleine Verbesserungen deutlich werden. Daneben sind mittlerweise zahlreiche Fälle veröffentlicht, bei denen durch verhaltenstherapeutisches Vorgehen selbst Kinder, die als nicht belehrbar galten, deutliche Fortschritte gezeigt haben.

Díe obigen Kriterien sind ursprünglich für ABA aufgestellt, treffen aber auch aud allgemeine VT zu. Wie angedeutet, ist AVT komplexer als obige Kriterien, da sie entwicklungspsychologische Erkenntnisse sowie kognitive, emotionale und sozialpragmatische Aspekte stärker berücksichtigt.

ABA und AVT haben als Hauptziele den Abbau von Verhaltensproblemen, wie Zwängen, oder Selbststimulation und den Aufbau oder die Erweiterung von angemessenen Fähigkeiten, wie die Erweiterung kommunikativer Funktionen oder angemessenem Sozialverhalten.

Text: Dr. Vera Bernard-Opitz


Unsere Buchempfehlungen zum Thema ABA/AVT:


Die Finanzierungssituation evidenzbasierter Fördermaßnahmen für autistische Kinder

(2011, 1. Auflage, Weidler-Verlag,  145 Seiten, ISBN-13: 3896932950)







Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) - Ein Praxishandbuch für Therapeuten, Eltern und Lehrer

(2007, 2. Auflage, Verlag Kohlhammer,  266 Seiten, ISBN-10: 3170198343 )








A Work in progress

(1999, 2. Auflage, Verlag Drl Books ,  344Seiten, ISBN-10:  0966526600 )